Saison 2019/2020

Profis // Sonntag, 04.10.2020

"Habe immer verfolgt, wie es läuft"

Insgesamt 323 Mal stand Jimmy Waite für die Panther zwischen den Pfosten, feierte in der DEL 40 Shutouts, wurde in seiner Zeit beim ERC dreimal hintereinander zum Torhüter des Jahres gewählt und seine Nummer 29 zum Abschied 2009 unter das Hallendach der Saturn-Arena gezogen. Der inzwischen 51-Jährige ist eine Legende in der Ingolstädter Clubgeschichte und abrietet inzwischen seit sechs Jahren als Torhüter-Trainer von NHL-Club Chicago Blackhawks. Wir haben uns am Donnerstagnachmittag zum Interview mit ihm verabredet.

Jimmy, wo erwischen dir dich gerade?

Ich bin gerade in meiner kanadischen Heimatstadt Sherbrooke in der Provinz Quebec. Wir waren während der NHL-Playoffs bis Mitte, Ende August in der Bubble mit Chicago und sind dann von Las Vegas geschlagen worden.

Wie vertreibst du dir nun die Zeit seit ihr aus den Playoffs ausgeschieden seid?

Nachdem die Saison im März unterbrochen wurde war ich bereits für ein paar Monate Zuhause, bevor wir dann in die NHL-Bubble nach Edmonton gereist sind. Dort waren wir ungefähr einen Monat. Seit ich wieder zurück bin habe ich viel Golf gespielt. Jetzt wird es hier auch Herbst und da muss einiges winterfest gemacht und der Garten gepflegt werden.

Du hast die NHL-Bubble bereits erwähnt. Beschreib doch mal wie die Atmosphäre dort war und welche Regelungen ihr befolgen musstet.

Es war wirklich sehr gut organisiert. Wir wurden jeden Tag getestet und jedes Mal wenn du vom Hotel zur Arena gefahren bist, wurde deine Temperatur gemessen und du hast deine Ergebnisse aufs Handy bekommen. Da hat die NHL einen wirklich guten Job gemacht und das Konzept hat funktioniert. Auch das Hotel war erstklassig. Ich hatte nur das Problem, dass ich viel trainieren musste, weil es überall so viel zu essen gab und man Gefahr lief, einiges an Gewicht zuzulegen. (lacht) Da musste man vorsichtig sein. Gleichzeitig war es aber auch hart so lange von der Familie getrennt zu sein. Das wird nach einer Weile mental schon schwierig.

Du bist jetzt seit 2014 Goalie-Coach der Chicago Blackhawks. War es nach dem Ende deiner aktiven Karriere immer das Ziel, jobmäßig im Eishockey Business zu bleiben?

Ja, das war immer mein Plan. Als ich aufgehört habe zu spielen bin ich als Trainer bei meinem früheren Juniorenteam in Kanada eingestiegen. Das habe ich vier Jahre lang gemacht und dann wurde ich glücklicherweise von den Blackhawks kontaktiert, die mich als Torwarttrainer haben wollten. Wenn man aufhört zu spielen, dann vermisst man es in der Halle zu sein, in der Kabine zu sein. Deswegen war das für mich eine super Gelegenheit. Und zurück in Chicago zu sein, für die ich selbst gespielt habe, ist toll. Ich kannte die Stadt, wir haben dort ein Haus und es ist eine tolle Organisation.

Die Blackhawks haben dich 1987 ja auch in der ersten Runde gedraftet. Hast du immer Kontakt mit der Franchise gehalten oder wie kam der Kontakt zustande?

Nicht wirklich. Mein Bruder war dort vor mir jahrelang Goalie-Coach und ist dann zu den Montreal Canadiens gegangen. Die Blackhawks hatten anschließend ein Jahr lang einen anderen Coach, aber das hat irgendwie nicht so geklappt wie geplant und dann haben sie erfahren, dass ich als Goalie-Coach arbeite und sie haben mich kontaktiert. Ich hatte damals auch eine Anfrage von den Calgary Flames. Ich hatte also zwei Optionen. Aber Chicago war die Stadt, die ich kannte und das Team war super. Deswegen habe ich mich dafür entschieden. Glücklicherweise haben wir gleich in meinem  ersten Jahr 2015 den Stanley Cup gewonnen.

Dein Bruder Stephane ist immer noch Goalie-Coach der Canadiens. Gibt es da kleine Wetten, dass der Gewinner das Abendessen zahlt, wenn eure Teams gegeneinander spielen?

Nein, das machen wir nicht. (lacht) Aber in den sechs Jahren in denen ich nun in Chicago bin haben wir elf Mal gegen Montreal gespielt und wir haben dabei zehnmal gewonnen. Damit ziehe ich ihn im Sommer schon auf, wenn wir zusammensitzen oder Golf spielen. Es macht immer Spaß gegen ihn zu spielen.

Ihr habt in der Qualifikationsrunde in den NHL-Playoffs gegen Leon Draisaitls Edmonton Oilers gespielt. Er wurde nun zum MVP gewählt. Würdest du sagen, dass er auch die Aufmerksamkeit der Scouts noch mehr auf deutsche Spieler gerichtet hat?

Die Scouts haben die deutschen Spieler nun definitiv mehr auf dem Radar. Es gibt einige gute junge Spieler. Draisaitl ist natürlich aktuell der beste Spieler in der Liga mit den drei Trophäen, die er gewonnen hat. Auf ihn musst du immer ein Auge haben, wenn du gegen ihn spielst. Wenn du ihm nur ein bisschen zu viel Platz gibst, ist die Gefahr groß, dass der Puck in deinem Tor einschlägt. Aber um nochmal auf das deutsche Eishockey zu kommen: Ich glaube, dass es auf dem richtigen Weg ist. Sie haben gute junge Talente und ich denke, dass auch die DEL daran einen großen Anteil hat, weil sie eine wirklich gute Liga ist und sich mit der Zeit stetig verbessert hat. In den knapp zehn Jahren, die ich in Deutschland war, haben sowohl die Liga als auch die Clubs auf allen Ebenen große Fortschritte gemacht und es wurden viele tolle neue Stadien gebaut.

Nun steht in der kommenden Woche auch der NHL-Draft auf dem Programm. Bist du in dieser Hinsicht irgendwie im Rating der potentiellen Goalies, die gepickt werden könnten, involviert?

Ich bin da nicht wirklich involviert. Wir haben einen ehemaligen Goalie, der für uns das Torhüter-Scouting macht. Aber wenn sie jemand interessantes gesehen haben, schicken sie mir schon Videos von ihm und fragen nach meiner Meinung. Aber das war es dann auch schon.
Marco Sturm, mit dem du 2004/05 beim ERC zusammengespielt hast, ist jetzt Co-Trainer bei den Los Angeles Kings. Hattest du seitdem mal Kontakt mit ihm?
Ja, wir sind uns über den Weg gelaufen, als wir gegeneinander gespielt haben. Wir haben uns lange unterhalten über die alten Zeiten. Wir hatten schöne Erinnerungen über die wir uns ausgetauscht haben.

Hast du sonst noch mit früheren Teamkollegen bei den Panthern Kontakt?

Glen Goodall und ich sind in gutem Kontakt. Jedes Mal wenn ich nach Calgary oder Edmonton komme, schaut er auch vorbei und wir trinken ein paar Bier zusammen. Unsere Familien haben damals schon eine starke Verbindung aufgebaut.

2009 hast du Ingolstadt verlassen. Hast du die DEL und die Panther in den vergangenen gut zehn Jahren trotzdem weiter verfolgt?

Oh ja. Ich habe immer geschaut, wie es läuft. Ich habe mich sehr gefreut als sie die Meisterschaft gewonnen haben. Ganz besonders habe ich mich für Ficenec gefreut, der damals noch immer dabei war. Und mit Dirk Sing (Sportjournalist für die Neuburger Rundschau; Anm. d. Autors) bin ich auch noch in Kontakt. Er ist jedes Jahr ein paar Wochen in Florida und wenn wir in dieser Zeit dort spielen, treffen wir uns. Er hat mir damals auch mal ein Video mit Grüßen von ehemaligen Mitspielern mitgebracht und ein ERC-Trikot mit vielen Unterschriften der Fans.

Du hältst immer noch den DEL-Rekord für die meisten Shutouts in einer Saison, bist dreimal Torhüter des Jahres geworden, deine Nummer 29 wird beim ERC nicht mehr vergeben. Ist das etwas, auf das man im Rückblick auf seine Karriere stolz ist, solche Spuren hinterlassen zu haben?

Auf jeden Fall. Als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam, dachte ich, dass ich vielleicht für ein oder zwei Jahre bleiben würde, aber am Ende habe ich mich in Deutschland und ganz speziell Ingolstadt verliebt. Es ist eine tolle Stadt und das Niveau war ebenfalls sehr gut. Das Einzige, das ich bedauere, ist, dass wir mit den Panthern nie die Meisterschaft gewonnen haben als ich da war. Wir hatten tolle Teams aber immer wenn wir auf einem richtig guten Weg waren, haben wir gegen Berlin verloren, die damals eine Macht waren. Das war schon hart.

Wenn wir über die Zeit in Ingolstadt sprechen: Gibt es etwas, dass du vermisst?

Ich vermisse das Weizenbier. (lacht) Nein, wir haben dort einige Freundschaften geschlossen auch mit ehemaligen Mitspielern wie Doug Ast, Jakub Ficenec und wie gesagt Glen Goodall. Die Jungs vermisst man schon. Aber auch die Stadt an sich, das Essen, einfach in Deutschland zu sein. Das fehlt einem schon.

Dein Sohn Matthew ist inzwischen auch als Goalie unterwegs. Was würdest du sagen, ist für ihn möglich?

Ja er hat damals in Ingolstadt angefangen als Torhüter zu spielen. Das ist auch eine schöne Erinnerung. Er hat in Moncton in der Juniorenliga gespielt, sich dann aber schwer an der Schulter verletzt. Also war er eine Weile raus. Dieses Jahr wollte er eigentlich Universitäts-Hockey in Kanada spielen, aber die Saison wurde abgesagt. Jetzt geht er also nur als Student zur Uni.

Zum Abschluss haben wir noch zwei Fanfragen rausgesucht, die uns über Instagram erreicht haben: Welches Spiel im Panther-Trikot ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Das ist ein Spiel in den Playoffs 2004 gegen Nürnberg. Wir waren in der Serie 2:0 hinten und ich bekam 50 Schüsse aufs Tor. Obwohl wir nur ungefähr zwanzig abgegeben haben, schlugen wir sie, haben am Ende die Serie gewonnen und sind ins Halbfinale eingezogen. Das war schon ganz besonders.

Die Frage mit der wir dieses Interview abschließen: Hast du vor, Ingolstadt mal wieder einen Besuch abzustatten?

Ja, ich rede darüber mit meiner Familie schon eine Weile. Letztes Jahr war ich mit den Blackhawks in Berlin als wir dort ein Spiel hatten. Das war das erste Mal nach vielen Jahren, dass ich wieder in Deutschland war. Aber eines Tages will ich auf jeden Fall wieder nach Ingolstadt kommen, um einige Freunde zu besuchen und wenn es klappt auch ein Spiel zu sehen.

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