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Profis // Dienstag, 05.01.2021

"Neun Monate ohne Spiel nerven"

Eigentlich war am heutigen Dienstag trainingsfrei, doch einer drehte dennoch fleißig seine Runden auf dem Eis der SATURN-Arena: Neuzugang Ryan Kuffner.

Seit 27. Dezember ist der Stürmer in Ingolstadt, trainierte am vergangenen Samstag erstmals mit seinen neuen Teamkollegen und verfolgte das gestrige Match gegen die Adler Mannheim von der Tribüne aus. Wir haben uns am Rande des Heimspiels mit dem Kanadier unterhalten und ihn unter anderem zu seiner Zeit an der Princeton Universität, seinen bayerischen Wurzeln sowie seinen Wechsel nach Deutschland gefragt. Bei den Panthern will sich der 24-Jährige auch für ein Engagement in der NHL empfehlen.

Ryan, zunächst mal herzlich willkommen in Ingolstadt. Wie hast du die Quarantäne und die ersten Tage danach verbracht?

Ich war die meiste Zeit davon im Hotel und habe es mir in meinem Zimmer gemütlich gemacht. Emil Quaas ist ja auch noch dort. Daher war es ganz gut, ein bekanntes Gesicht da zu haben, mit dem man sich die Zeit ein wenig vertreiben kann.

Was wusstest du über Deutschland bevor du angekommen bist? Warst du zuvor schonmal hier?

Ich war vorher noch nie in Deutschland, aber ich weiß, dass die Wurzeln meiner Familie in Deutschland sind. Mein Vater war ein paar Mal hier. Ich kenne nur ein paar Jungs, die in der DEL gespielt haben oder immer noch in Deutschland aktiv sind. Aber es ist eine gute Gelegenheit für mich, hier zu spielen und ich freue mich sehr darauf.

Wie kam denn der Kontakt mit Sportdirektor Larry Mitchell zustande und wie lange hat es gedauert, um die Entscheidung zu treffen, beim ERC zu unterschreiben?

Der erste Kontakt war ungefähr eine Woche vor Weihnachten. Da hat er mich angerufen und mir von seinem Interesse erzählt. Dann hat es eigentlich auch gar nicht lange gedauert, bis alles in trockenen Tüchern war. Ich habe mich mit meinem Berater unterhalten und wir sind beide der Meinung, dass es eine gute Chance für mich ist. Ich habe viel Gutes über die Liga gehört und vor allem in Zeiten wie diesen kann man sehr froh sein, wenn man in so einem tollen Team und einer super Organisation unterkommt.

Dein letztes Spiel ist inzwischen schon sehr lange her. Wie groß ist die Sehnsucht, endlich wieder auf dem Eis zu stehen, wenn es um etwas geht?

Es ist großartig, diese Möglichkeit nun wieder zu haben. Man will natürlich so viel wie möglich spielen und neun Monate lang kein Match zu bestreiten, hat ganz schön genervt. Ich habe die Zeit genutzt, um an mir zu arbeiten und mich individuell zu verbessern, weil unter der Saison bleibt dafür nicht mehr so viel Zeit. Und es war natürlich ganz schön, mal ein wenig mehr Erholung zu haben. Irgendwann kommt aber der Punkt, an man unbedingt wieder spielen will. Dieser Zeitpunkt ist jetzt zum Glück endlich gekommen.

Larry beschreibt dich als typischen Torjäger. Wie würdest du dich selbst charakterisieren? Sowohl als Spieler als auch als Mensch?

Auf dem Eis versuche ich immer am richtigen Fleck zu stehen und meinen Mitspielern zu helfen. Wenn ich in einer guten Schussposition bin, ziehe ich gerne ab. Auf der anderen Seite ist es mir wichtig, die richtige Chemie mit meinen Mitspielern zu bekommen. Abseits des Eises bin ich eher ein ruhiger Typ, wenn ich noch niemanden kenne. Aber jeder hier ist sehr nett, das hilft einem dabei, schnell aufzutauen. Es macht sehr viel Spaß und ich genieße jede Sekunde.

Blicken wir auf deine Zeit am College zurück. Du hast an der Princeton University studiert und Eishockey gespielt. Eine der berühmtesten und angesehensten Universitäten weltweit. Beschreib uns doch mal, wie es dort so abläuft.

Wenn man aus Ottawa kommt, denkt man eigentlich nicht daran an eine Universität in den USA zu gehen. Viele Spieler wollen in der OHL, der besten Juniorenliga, spielen, aber ich hatte das Glück nach Princeton in New Jersey gehen zu können. Es hat sehr viel Spaß gemacht, auch wenn das Studium wirklich anstrengend war. Man muss schon sehr viel dafür tun. Ich habe Wirtschaft und Finanzen studiert. Aber nach dem zweiten, dritten Jahr gewöhnt man sich daran und man hat viele Kurse mit seinen Teamkollegen. Das macht es um einiges einfacher. Wenn du mal den Rhythmus gefunden hast, kannst du dich auch besser auf das Eishockey konzentrieren und es wird zum Höhepunkt eines jeden Tages. Du hängst eigentlich den ganzen Tag mit den gleichen Jungs ab. Das macht schon sehr viel Spaß.

Du hast in Princeton einige neue Rekorde aufgestellt, wie zum Beispiel die meisten Einsätze und die meisten Tore in der Geschichte des Uni-Teams. Macht dich das stolz, dort deine Spuren hinterlassen zu haben?

Es macht mich eher stolz, was wir als Jahrgang erreicht haben. Also alle Jungs, die mit mir im Team gespielt und die Uni abgeschlossen haben. Wir hatten eine tolle Zeit und sind alle von Verletzungen verschont geblieben. Diese Rekorde bezeugen für mich nur, wie gut die Spieler in meinem Jahrgang waren, die mit mir gespielt haben. Wir haben super harmoniert und meine beiden Reihenkollegen haben mich immer super bedient auf dem Eis. Wir hatten vom Sturm über die Abwehr bis zu den Goalies ein großartiges Team.

Du bist dann zwar nicht gedraftet worden, trotzdem haben dich die Detroit Red Wings sofort unter Vertrag genommen und du hast deine ersten zehn NHL-Spiele gemacht. Warst du selbst überrascht, dass es so schnell ging?

Auf jeden Fall. In meinem letzten Jahr an der Uni haben wir leider gleich in der ersten Runde verloren. Das war schon ziemlich niederschmetternd. Vor allem im letzten Jahr will man so weit wie möglich kommen. Das hat uns alle hart getroffen. Aber es hat sich dann schnell in die Richtung gedreht, welche Gelegenheit als nächstes kommt. Es war ein Traum, der wahr geworden ist, als ich bei Detroit unterschrieben habe und eine super Erfahrung.

Also ist dein Ziel nach wie vor, dass du es wieder in die NHL schaffst?

Ja, ganz klar. Aber jeder weiß, dass man Tag für Tag dafür arbeiten muss. Ich will die Zeit in der Eishalle möglichst gut nutzen und versuche einfach der bestmögliche Spieler zu sein, der ich sein kann. Ganz egal in welchem Team ich bin. Das ist eigentlich mein Ziel. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind.

Bei der Recherche sind wir auf Edwin Gorman gestoßen. Einen Großonkel von dir, der 1927 mit Ottawa den Stanley Cup gewonnen. Weißt du irgendetwas über ihn?

Das ist eigentlich auch alles was ich über ihn weiß. (lacht) Es gibt einige Bücher über die NHL, in denen Bilder von ihm sind und etwas über die Teams steht, in denen er aktiv war. Aber ehrlich gesagt ist das nicht viel. Es ist sehr interessant zu sehen, dass er in dem Team stand, das letztmals für meine Heimatstadt Ottawa den Cup geholt hat

Ich glaube er ist wirklich der älteste Spieler den wir jemals auf eliteprospects.com gesehen haben.

(lacht) Ja, das ist schon überraschend, dass sie aus dieser Zeit überhaupt noch Statistiken gefunden haben. Immerhin ist das schon hundert Jahre her. Ich habe ihn natürlich nie kennengelernt und auch meine Eltern nicht, aber mein Großvater kannte ihn. Hoffentlich kann ich eines Tages seinem Vermächtnis gerecht werden. (lacht)

Kommen wir nochmal zu deiner Verbindung nach Deutschland. Du hast es vorher bereits angesprochen, dass die Wurzeln deiner Familie hier liegen. Weißt du wo genau?

Tatsächlich größtenteils in Bayern. Ich weiß zwar nicht ganz genau wo und ob es vielleicht in der Nähe von Ingolstadt ist, aber auf jeden Fall aus Bayern. Wie gesagt, war ich vorher nie hier, aber mein Vater und mein Opa haben Deutschland öfter Mal besucht.

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